Analyse: Das Potenzial und die Langlebigkeit der Wii U
Wir wissen nun alles, was es über die Wii U vor ihrem Erscheinungstermin am 18. November zu wissen gibt. Wir haben eine gute Vorstellung davon, wie die interne Hardware aussehen wird, wir kennen den Preis und wir wissen, welche Spiele am Starttag erhältlich sein werden. Ist das Angebot überwältigend, enttäuschend oder genau das, was wir erwartet haben? Wird sich die Konsole gut verkaufen und wird sie sich behaupten können, wenn die Konkurrenz ein Jahr später auf den Markt kommt?
Das sind Fragen, die man sich stellen sollte.
Auf den ersten Blick fallen natürlich vor allem die Kosten ins Auge. Wenn man den Preis von $300 für die Basisversion inklusive Gamepad berücksichtigt und bedenkt, dass Nintendo bei seiner Hardware in der Regel einen kleinen Gewinn erzielen möchte, lässt sich vermuten, dass die Wii U eine sehr kostengünstig herzustellende Konsole ist. Es wäre nicht überraschend, wenn in Zukunft auch ein Modell $150 ohne Gamepad auf den Markt käme.
Damit befindet sich die Wii U in einer Preisklasse, aus der sie nur sehr schwer zu verdrängen ist, zumal der Preis bis zur Markteinführung der PS4 und der Xbox 720 – selbst wenn Microsoft letztendlich eine Abonnement-Konsole mit der Bezeichnung $99 auf den Markt bringt – möglicherweise noch weiter gesunken sein wird.
Allerdings bedeuten sehr niedrige Kosten auch einen geringeren Hardware-Standard. Durchgesickerte Informationen aus einigen Quellen deuten darauf hin, dass es sich um eine AMD-GPU handeln wird, die 1080p-HD-Auflösungen und bis zu DirectX 10.1 unterstützt. Das bedeutet: keine Tessellation und keine Unterstützung für 4k-UDTVs, die in den kommenden Jahren wahrscheinlich weitaus verbreiteter sein werden.
Das bedeutet auch, dass sich die Wii U zwar zum Zeitpunkt ihrer Markteinführung auf dem neuesten Stand der Technik anfühlen wird, jedoch schon bald in puncto Grafik und den Möglichkeiten neuer Technologien – wie beispielsweise dem Abspielen von Filmen in höherer Auflösung – weit hinter den neueren Konsolen von Microsoft und Sony zurückbleiben wird.
Aber wird das eine Rolle spielen?
Da viele Menschen diese Generation als die letzte der Spielkonsolen betrachten, stellt sich die Frage: Hat es überhaupt Sinn, drei oder vier Jahre in die Zukunft zu blicken? Bis dahin haben wir uns vielleicht alle bereits von den Konsolen verabschiedet und sind in die Cloud gewechselt oder nutzen PCs, die alles virtualisieren können. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass wir alle mehr oder weniger auf dem Handy spielen werden.
Zwar sind Handyspiele derzeit noch keine dominierende Kraft in der Branche, doch vor nur wenigen Jahren war davon noch gar keine Rede. Heute spielen viele Millionen Menschen Spiele auf ihren Handys, und diese Zahl wird weiter steigen, denn es gibt mittlerweile weit mehr als nur ’Angry Birds“. Ein kurzer Blick auf den neuesten „Infinity Blade“-Titel genügt, um zu erkennen, wie weit die Grafik auf Handys mittlerweile fortgeschritten ist. Stellt euch vor, wie sie in drei Jahren aussehen werden! Wahrscheinlich nicht allzu anders als das Neueste und Beste, was uns die Xbox 720 bieten wird. Es wäre auch kein Problem, diese kleinen Kraftpakete an einen Fernseher anzuschließen und mit einem an die Dockingstation angeschlossenen Controller zu spielen.
Wie sieht es nun mit der Wii U aus?
In der gesamten aktuellen Generation hat sich Nintendo auf Gelegenheitsspieler und Social-Gamer konzentriert. Zwar hat das Unternehmen mit seiner neuen Konsole eine Rückkehr zu den Hardcore-Spielern angekündigt, doch das Fehlen von High-End-Hardware wird dies mit zunehmendem Alter der Wii U sehr erschweren, sodass bunte Familienspiele weiterhin dominieren müssen. Doch Nintendo steht hier vor einem weiteren Problem, denn in diesem Bereich hat das Unternehmen nicht nur Konkurrenz durch Mobiltelefone, sondern auch durch Social Gaming auf Facebook und sogar durch einige neue Konkurrenten im Wohnzimmer: Ouya und Steam Big Picture.
Die Ouya wird zu einem Preis auf den Markt kommen, mit dem selbst Nintendo nicht mithalten kann. Sie wird das Gelegenheitsspielerlebnis bieten, nach dem sich viele Menschen sehnen, und über OnLive sogar AAA-Spiele bereitstellen – sofern das Unternehmen lange genug über Wasser bleibt. Steams „Big Picture“ könnte ein noch größeres Problem darstellen, da der PC die klassische, sich ständig weiterentwickelnde Leistungsplattform ist, die alles bietet – und mit „Big Picture“ das Beste aus allen Welten in Sachen Steuerung.
Das zeigt uns, dass der einjährige Vorsprung der Wii U gegenüber Microsoft und Sony, der es ihr ermöglichte, die Early Adopters der nächsten Generation für sich zu gewinnen, nicht bedeutet, dass dieser Vorsprung auch in den kommenden Jahren Bestand haben wird. Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz durch andere Konsolen und alternative Spielformen, die das Potenzial der Wii U im Markt für Gelegenheits- und Familienspiele schmälern werden.
Kurz gesagt: Die Wii U wird für Nintendo wahrscheinlich nur noch ein paar Jahre lang eine Rolle spielen. Aber vielleicht ist sich Nintendo dessen ja bewusst? Vielleicht ist das der Grund, warum wir es hier mit einer günstigen Konsole zu tun haben, die genau das bietet, was die Leute derzeit wollen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der traditionsreiche Spieleentwickler keine riesige, futuristische Maschine auf den Markt bringt, die ebenfalls schon kurz nach ihrer Veröffentlichung veraltet sein wird.
Was meint ihr dazu? Bringt Nintendo hier sein letztes Produkt auf den Markt, bevor es in den Sonnenuntergang galoppiert, oder wird es wirklich so schwer haben, wie es den Anschein hat? Teilt uns unten eure Meinung mit.
