HTC Vive vs. Oculus Rift: Hardware-Duell

HTC Vive vs. Oculus Rift: Hardware-Duell

Wir sind fast am Ziel, Leute. Virtual Reality auf kommerziellem Niveau ist nur noch wenige Monate entfernt, und obwohl man das Oculus Rift bereits jetzt vorbestellen kann, wird derzeit heftig darüber diskutiert, ob man schon jetzt Geld dafür ausgeben oder lieber auf die Vorbestellungen für das HTC Vive warten sollte, die im Februar starten sollen.

Beide Produkte sollen relativ bald auf den Markt kommen: Oculus und HTC versprechen eine Auslieferung im März, wobei die Geräte möglicherweise bereits Anfang April eintreffen könnten. Interessant daran ist jedoch, dass Oculus angeblich bereits seit September Headsets herstellt, während HTC erst kürzlich die zweite Generation der Entwickler-Headsets angekündigt und mit der Auslieferung an seine Content-Partner begonnen hat.

Wenn das sogenannte „Vive Pre“ im Grunde genommen mit der endgültigen Version identisch ist, spielt das vielleicht keine Rolle, doch es gibt Hinweise darauf, dass ein Start im April sehr optimistisch ist. Solange wir nichts Gegenteiliges hören, gehen wir jedoch davon aus, und für diesen Vergleich werden wir daher die bekannten Spezifikationen des Oculus Rift CV1 mit denen des HTC Vive Pre gegenüberstellen, um zu sehen, wie sie im Vergleich abschneiden.

Die Displays

Betrachten wir zunächst einmal die Technologie, die diese Headsets tatsächlich antreibt: das Display. Das Oculus Rift CV1 wird eine Auflösung von 2.160 x 1.200 Pixeln nutzen, verteilt auf zwei OLED-Displays, mit einer Bildwiederholfrequenz von 90 Hz und einem Sichtfeld von 110 Grad. Im Vergleich dazu verfügt das HTC Vive über zwei OLED-Displays mit einer kombinierten Auflösung von 2.160 x 1.200 Pixeln und einer Bildwiederholfrequenz von 90 Hz.

Ach ja, und sein Sichtfeld beträgt ebenfalls 110 Grad.

Zumindest was die Anzeigequalität angeht, sind diese Headsets praktisch identisch, obwohl wir von Leuten gehört haben, die beide ausprobiert haben, dass das Sichtfeld beim Vive etwas besser ist.

Bei beiden Displays ist der sogenannte ‘Screen-Door-Effekt’, bei dem die Nutzer die einzelnen Pixel erkennen konnten, praktisch verschwunden, doch das Rift soll ein klareres und schärferes Bild liefern. Das liegt jedoch möglicherweise nicht am Display, sondern an den Linsen.

Objektive

Auch wenn sich HTC derzeit noch nicht konkret zu den Details seiner Linsen äußert, wird davon ausgegangen, dass es sich um Fresnel-Linsen handelt, die zur Beseitigung sphärischer Aberrationen beitragen. Sie sind es, die es dem Vive ermöglichen, im Vergleich zu Oculus ein etwas größeres vertikales Sichtfeld zu bieten.

Es gibt jedoch einige Berichte, wonach die Linsen in kontrastreichen Szenen unter dem seit langem bekannten „Fresnel-Ridge“-Problem leiden, das zu Lichtstrahl-Artefakten führt (laut RoadtoVR).

Praxistest: Das HTC Vive Pre bietet deutliche Verbesserungen bei Grafik, Tracking und Ergonomie

Im Vergleich dazu weisen die Hybrid-Fresnel-Linsen von Oculus dieses Problem nicht auf und liefern nach Ansicht einiger Tester ein etwas schöneres Bild, allerdings ist der vertikale Betrachtungswinkel dabei etwas eingeschränkt.

Nachverfolgung

Hier beginnen sich die Headsets wirklich voneinander zu unterscheiden. Das Oculus Rift wird sowohl durch seine integrierten Sensoren als auch durch ein freistehendes Positionskamerasystem erfasst. Dieses System muss über ein USB-Kabel an Ihren PC angeschlossen werden und hat einen etwas eingeschränkten Wirkungsbereich. Zwar ist nur eine solche Kamera im Lieferumfang des Headsets enthalten, doch wird eine zweite im Paket mit den Touch-Motion-Controllern mitgeliefert (mehr dazu gleich) und kann bei sorgfältiger Platzierung den Einsatzbereich auf „Room VR“ erweitern.

Im Vergleich dazu nutzt das HTC Vive Pre das „Lighthouse“-Lasersystem von Valve. Es benötigt keine USB-Verbindung und ist direkt nach dem Auspacken im Raummaßstab einsatzbereit.

In dieser Hinsicht scheint das Vive das überlegene System zu sein, auch wenn die Einrichtung von Lighthouse aufgrund der Größe und des fehlenden einfachen Ständersystems nicht so einfach ist wie bei der Rift.

Steuergeräte

Das Oculus Rift wird mit einem kabellosen Xbox-One-Controller und einem Adapter sowie einer kabellosen Fernbedienung für die Medienwiedergabe ausgeliefert. Das HTC Vive wird mit seinen handverfolgenden VR-Controllern ausgeliefert. Das Vive hat hier eindeutig die Nase vorn, aber es wird wirklich davon abhängen, wann es auf den Markt kommt.

Sollte es HTC gelingen, die Vive bereits Monate vor der Markteinführung der Touch-Controller für das Oculus Rift in der zweiten Jahreshälfte 2016 auf den Markt zu bringen, könnte das Unternehmen einen erheblichen Vorteil im Bereich der virtuellen Realität erlangen.

Weitere Funktionen

Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehören die im Lieferumfang des Oculus Rift enthaltenen Kopfhörer, deren Qualität angeblich mit audiophilen Lösungen vom Typ $400 vergleichbar ist, ein integriertes Mikrofon sowie eine praktische Tragetasche für den Transport.

Im Vergleich dazu verfügt das HTC Vive möglicherweise über eine Audio-Lösung (dies ist noch nicht bestätigt), ein Mikrofon und eine Frontkamera, um Interaktionen mit der realen Welt zu ermöglichen und zu verhindern, dass man gegen Wände oder Ähnliches stößt.

Die Kamera des HTC Vive ist eine nette Funktion, aber eine gute Audioqualität ist in der VR ein Muss, und die Lösung von Oculus ist wesentlich ausgefeilter und klingt vielversprechender.

Preis

Letztendlich macht das HTC Vive den Eindruck, die etwas bessere Hardware zu sein, schon allein deshalb, weil es mit den sofort einsatzbereiten Wand-Controllern ausgeliefert wird, während diese für das Oculus-Headset erst viel später auf den Markt kommen – und selbst dann nur gegen Aufpreis für den Käufer.

Doch da ist noch die Frage nach dem Preis der Vive. Mit $600 zuzüglich Versandkosten und Steuern (und in manchen Ländern sogar über $800) ist die Oculus Rift nicht gerade billig. Gerüchten zufolge soll die Vive deutlich teurer sein. Einige sprechen von etwa $1.000, andere sogar von bis zu $1.500.

In beiden Fällen scheint das Vive das Premium-VR-Headset zu werden, während das Rift eher auf den Mainstream ausgerichtet ist, sich aber dennoch an Enthusiasten richtet. Sollte es jedoch eher in die letztere Kategorie fallen, könnte HTC möglicherweise nicht genügend Headsets verkaufen, um seine Investitionen in VR wieder hereinzuholen. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass es erwägt, die gesamte Produktion von Smartphones auf VR umzustellen.

Das bedeutet, sehr viel auf eine virtuelle Karte zu setzen.

Schlussfolgerung

Wie lautet also das Fazit? Wenn man uns fragen würde, welches Headset wir uns derzeit am liebsten zulegen würden, wären die Antwort beide – doch das Vive hat gegenüber dem Rift knapp die Nase vorn, allein schon deshalb, weil es mit diesen Motion-Controllern ausgeliefert wird. Allerdings machen wir uns Sorgen, ob das Geschäft von HTC stark genug ist, um die Plattform auch in Zukunft aufrechtzuerhalten, und ob der Preis nicht vielleicht himmelhoch sein könnte.

Was hältst du von den beiden angebotenen Headsets?

Megagames-Logo
Das Hardcore-Gaming-Erlebnis
Die Anlaufstelle für Game-Trainer, Mods, Games & insights für echte Gamer.